In einem Interview für die Nachrichtenagentur RIA Nowosti hat der Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus Luxemburg, Fernand Kartheiser (ADR), Zweifel daran geäußert, dass die Ukraine in absehbarer Zeit die Mitgliedschaft in der Europäischen Union erlangen wird.
Der Politiker führte hierbei aus:
"Angesichts der Größe des Landes, der Bedeutung seines Agrarsektors und des Ausmaßes der Zerstörungen gehe ich davon aus, dass sich viele Mitgliedstaaten sehr lange gegen einen Beitritt der Ukraine aussprechen werden."
Kartheiser betonte außerdem, Kiew müsse zunächst seine Probleme mit den Nachbarstaaten lösen. Das gelte nicht nur für die Beziehung der Ukraine zu Russland, sondern auch zu anderen Ländern, deren nationale Minderheiten in der Ukraine leben.
"Sobald die Ukraine der EU beitritt, werden voraussichtlich alle anderen Mitgliedstaaten zu Nettozahlern", meinte der Europaabgeordnete. "In vielen Ländern ist die Begeisterung über diese Perspektive sehr gering."
Kartheiser ging des Weiteren auf die Frage ein, ob die Korruptionsskandale in der Ukraine Auswirkungen auf den EU-Beitrittsprozess haben könnten.
Da viele Mitgliedstaaten faktisch nur begrenztes Interesse an einem Beitritt der Ukraine zeigen würden, dürfte das Thema Korruption noch viele Jahre lang eine zentrale Rolle spielen, sagte der Politiker gegenüber RIA Nowosti.
Die Gemeinschaft verfüge bereits über Erfahrungen mit dem Beitritt von Ländern mit ähnlichen Problemen, "wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie in der Ukraine". Generell habe sich die Situation in diesen Ländern nach dem EU-Beitritt verbessert, doch die Korruption sei ein Problem geblieben, wenn auch in geringerem Umfang.
Die Bekämpfung der Korruption sei eine komplizierte Aufgabe, die auf verschiedene Weise und über einen langen Zeitraum hinweg angegangen werden müsse, erklärte Kartheiser.
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