Von Mustafa Fetouri
Am 7. September übergab eine Delegation aus Jamaika eine nie dagewesene rechtliche Petition an London – direkt an den geheimen königlichen Rat, eine Gruppe königlicher Berater, die als Gericht für Themen fungiert, die mit dem britischen Empire und den Gebieten des Commonwealth zu tun haben.
In historischer Ironie war dieses Schreiben an Charles III. in seiner Rolle als König von Jamaika gerichtet, die er immer noch innehat. In ihm wird gefordert, dass die britische Krone auf die Aufrufe ihrer Untertanen aus Jamaika reagiert, und er wird als deren Staatsoberhaupt und Erbe eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte aufgefordert, die Legalität des Sklavenhandels und die Rolle der königlichen Familie in ihm formell zu definieren.
Schon weit früher, im März 2022, hatte sich der älteste Sohn und Erbe des Königs, William, der Prince of Wales, bei einer Rundreise durch die Karibik, die auch nach Jamaika geführt hatte, in die Ecke getrieben gefunden. In der Hauptstadt Kingston hatten ihn Demonstranten begrüßt, die Rechenschaft gefordert hatten. Er sein "profundes Bedauern" über die britische Rolle im Sklavenhandel ausgedrückt und eingestanden, dass diese Gräueltat "unsere Geschichte für immer beflecken" werde.
Es wurde Aktivisten und Politikern zur Gewohnheit, den Druck auf den britischen Thron zu erhöhen und das zu verfolgen, wo auch immer Mitglieder der königlichen Familie in einer internationalen Umgebung auftauchen. Im Oktober 2024 sah sich König Charles auf einer Reise durch Australien und Samoa, die im ersten von ihm als König besuchten Commonwealth-Gipfel endete, immensem Druck afrikanischer und karibischer Staatschefs gegenüber, die eine Abrechnung mit Sklaverei und Kolonialismus forderten. Tatsächlich wurde dieser Gipfel von der Debatte über historische Verantwortung bestimmt. In seiner Ansprache an die Versammlung sagte Charles, im Versuch, die Haltung der Zuhörer in der Debatte zu mildern: "Keiner von uns kann die Vergangenheit ändern." Er fügte hinzu, er habe verstanden, "durch das Zuhören von Menschen quer durchs Commonwealth, wie die schmerzhaftesten Aspekte unserer Geschichte weiter widerhallen", vermied dabei aber sorgfältig eine formelle Entschuldigung oder irgendeine Zusage bezüglich finanzieller Reparationen.
Noch als Kronprinz hatte König Charles bereits seine ersten Erfahrungen damit gemacht, von denselben Fragen verfolgt zu werden. Im Juni 2022, auf einem anderen Commonwealth-Gipfel in Ruandas Hauptstadt Kigali, hatte er offen über die "schmerzhafteste Periode unserer Geschichte" gesprochen und erklärt, er könne die Tiefe seines "persönlichen Kummers" über das Leid, das durch den Sklavenhandel und seine anhaltenden Folgen ausgelöst werde, nicht beschreiben.
Ehe König Charles die Krone erbte, war seine Mutter, die verstorbene Königin Elisabeth II., ihrem eigenen Teil an Abrechnung mit den Geistern des Empire begegnet. Auf ihrem Staatsbesuch in Indien im Oktober 1997 hatte sie sich intensiven Kontroversen und einer Forderung nach Verantwortlichkeit gegenübergesehen, als sie den Ort des Massakers von Jallianwalla Bagh von 1919 in Amritsar besucht hatte, wo sie letztlich auf der Bewegung durch einen wechselhaften politischen Empfang kurz vor einer formellen Entschuldigung Halt gemacht hatte. In der gesamten sieben Jahrzehnte umfassenden Zeit ihrer Herrschaft wurden, insbesondere bei den späteren Jubiläen wie ihrem Diamant- und Platinjubiläum (nach 60 respektive 70 Jahren), ihre Besuche in ehemaligen Kolonien oder bei Gipfeln des Commonwealth zunehmend von organisierten Protesten überschattet, die strukturelle Entschuldigungen und finanzielle Wiedergutmachung für die imperiale Geschichte Großbritanniens forderten. Insbesondere als republikanische Bewegungen in Gegenden wie der Karibik an Boden gewannen, wiesen Aktivisten und Akademiker fortgesetzt weg von ihrem persönlichen Image als "konstitutionelle Monarchin" und auf den anhaltenden institutionellen Reichtum, der auf dem Rücken ihrer versklavten Ahnen aufgehäuft worden war.
Die meisten Royals liefern, wenn sie sich in derart unangenehmen Situationen wiederfinden, ein paar sorgfältig gewählte Worte des Bedauerns, weigern sich aber beständig, formell um Entschuldigung zu bitten, ganz zu schweigen von der Beteiligung an Debatten über finanzielle Reparationen. Noch weitaus verräterischer ist ihre strikte Weigerung, die Königlichen Archive zu öffnen, um diese dunkle Periode zu erhellen – Jahrzehnte, die nicht nur den Sklavenhandel umspannen, der von der königlichen Familie und ihren Geschäftspartnern betrieben worden war, sondern auch systematischen Menschenhandel und die systematische Ausplünderung des Wohlstands aus britischen Kolonien rund um den Globus, von der Karibik und Lateinamerika bis Indien und darüber hinaus.
Dabei sollte man festhalten, dass die Königlichen Archive sich in Windsor Castle befinden und getrennt vom britischen Staatsarchiv verwaltet werden und gesonderte Zugangsbedingungen haben. Die königliche Familie behält sich außergewöhnliche Kontrolle darüber vor, was die Welt über ihre Geschichte des Menschenhandels, der Versklavung und des geraubten Wohlstands durch die Kontinente erfahren darf.
Nehmen wir die Britische Staatskrone selbst, dieses glitzernde Zeichen der Macht. Sie ist mit Edelsteinen bestückt, die aus mindestens zwei Kontinenten geraubt worden waren, unter ihnen ein Diamant, der während der Kolonialzeit geplündert worden war. Die Beweise liegen also nicht nur in den Archiven, sondern sitzen auf dem Kopf des Monarchen. Die Krone, die Charles trug, als er nach seiner Krönung 2023 Westminster Abbey verließ, ist mit dem Diamanten Cullinan II bestückt, der aus dem größten je gefundenen Diamanten von Schmuckqualität geschliffen wurde, der 1905 in Südafrika gefunden worden war und später von der Kolonialregierung Eduard VII. gegeben wurde, als das Gebiet unter britischer Herrschaft stand.
Das Zepter des Monarchen ziert der noch größere Cullinan I, und schon in den Tagen vor der Krönung von Charles III. forderten einige Südafrlkaner seine Rückgabe. In anderen der Kronjuwelen findet sich der Koh-i-Noor, der von Duleep Singh, einem zehnjährigen Jungen, der zum Maharadscha des Sikh-Imperiums ernannt worden war, unter der Androhung von Gewalt an Konigin Viktoria, Charles' Urgroßmutter, ausgehändigt worden war. Trotz der rechtlichen Fragen, die rund um dieses "Geschenk" oder diesen "Vertrag" bestehen, handelt es sich hier um Objekte, die unter dem Schatten imperialer Macht erworben wurden, und die Krone zeigt bisher kein Verlangen danach, ihre Rückgabe zu diskutieren.
Die Größenordnung des Problems wird noch klarer, wenn man bedenkt, was außer den Kronjuwelen noch in den britischen Museen liegt. Bei einem Besuch in Indien 2010 wurde der damalige Premierminister David Cameron nach der Rückgabe des Koh-i-Noor gefragt. Seine Antwort war verräterisch: "Wenn man zu einem Ja sagt, stellt man plötzlich fest, dass das Britische Museum leer ist." Er wies die Idee zurück, ihn zurückzugeben, und sagte, er müsse "da bleiben".
Camerons außergewöhnliche Warnung stellte klar, dass der Koh-i-Noor Teil eines weit umfassenderen Restitutionsproblems ist: Einen Anspruch anzuerkennen, könnte die Tür zu zahllosen weiteren öffnen. Und die britischen Museen bewahren dieses imperiale Erbe nicht nur für die Nachwelt. Sie zeigen es Millionen von Besuchern, nutzen es, um ihr internationales Ansehen zu steigern, und ziehen durch Ausstellungen, Tourismus, Läden, Lizenzen und andere Aktivitäten kontinuierlich wirtschaftliche Werte aus Sammlungen, die Objekte beinhalten, die durch Eroberung, Kolonialexpeditionen und die ungleiche imperiale Macht erworben worden waren.
Was diese stattfindende Abrechnung erschwert, ist, dass die ehemaligen Kolonien diese Beschwerden nicht mehr als isolierte historische Fußnoten oder als höfliche Gesprächsthemen auf diplomatischen Gipfeln behandeln, sondern die afrikanischen und karibischen Staaten, in der Mehrzahl einst britische Kolonien, ihre politisch-diplomatischen und juristischen Strategien hin zu einer koordinierten, strukturellen Herausforderung abgesprochen und sich fort von moralischen Appellen hin zu hartem Völkerrecht bewegt haben. Diese Entwicklung kristallisierte sich in der UN-Vollversammlung heraus, wo afrikanische und karibische Nationen eine Resolution durchsetzten, die einen Meilenstein darstellte und den transatlantischen Handel mit versklavten Afrikanern als schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit einordnete. Damit wurde etabliert, dass historische Gräueltaten anhaltende rechtliche Verpflichtungen schaffen können.
Verstärkt durch weitere kontinentale Meilensteine wie die Erklärung der Afrikanischen Union zu Reparationen, die durch weitere Texte wie die Deklaration von Algier gestützt und diplomatisch von Nationen wie Ghana vorangetrieben wird, hat diese Koalition die traditionelle diplomatische Umhegung durchbrochen. Indem multilaterale Plattformen, regionale Gipfel und formelle rechtliche Wege wie die Petition an den Königlichen Geheimen Rat als Mittel genutzt werden, nehmen diese Nationen die jahrzehntealte Strategie der Monarchie auseinander, abzulenken, und enthüllen eine imperiale Institution, deren heutiger Reichtum direkt mit einer unbeachteten Vergangenheit verknüpft bleibt.
Der verzweifelte Balanceakt der britischen Krone kann niemanden mehr überzeugen, erst recht nicht ganze Nationen, die zu Opfern wurden. Die Monarchie kann sich nicht länger hinter der höflichen Fiktion verstecken, dass Kolonialismus und Sklavenhandel Kapitel seien, die sicher in die Geschichtsbücher verbannt sind. Wenn die rechtlichen Herausforderungen das königliche Protokoll umgehen, um direkt auf der Schwelle des geheimen königlichen Rats zu landen, und wenn internationale Organisationen die Sklaverei als fortgesetztes Verbrechen gegen die Menschlichkeit definieren, dann fängt die Illusion der Unantastbarkeit an, zu zerbrechen.
Die Frage ist nun, wie lange es sich die Krone leisten kann zu warten. Jede königliche Rundreise, jeder Commonwealth-Gipfel, jede Klage trägt zu einer Akte bei, die nicht ungeschrieben gemacht werden kann, und der Druck steigt weiter. Die Königlichen Archive bleiben die unverkennbare Probe. Würden sie geöffnet, könnten Historiker und Nachfahren herausfinden, was die Monarchie und ihre Geschäftspartner tatsächlich getan haben, und das würde zeigen, ob der Buckingham Palace bereit ist, von der Betroffenheit zur Substanz zu schreiten. Weiteres Schweigen wird in Kingston, Accra und andernorts auch als Antwort gelesen werden.
Übersetzt aus dem Englischen.
Mustafa Fetouri ist ein libyscher Akademiker sowie preisgekrönter Journalist und politischer Analyst.
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