Steuerzahler finanzieren Minister-Make-up in Österreich: Christoph Wiederkehr lässt sich schminken

Nicht nur in Deutschland sorgen die Ausgaben von Politikern, zuletzt von Finanzminister Lars Klingbeil, für Fotografen und Stylisten für Schlagzeilen, auch in Österreich gibt dies Anlass zu Kritik. Bildungsminister Christoph Wiederkehr ließ sich für einen öffentlichen Auftritt schminken.

Nachdem bereits in Deutschland die Ausgaben von Finanzminister Lars Klingbeil für Fotografen, Visagisten und Stylisten für Schlagzeilen sorgten, gibt es nun auch in Österreich einen ähnlichen Vorgang.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr ließ sich für einen öffentlichen Auftritt professionell schminken. Die Rechnung über 420 Euro zahlte das Ministerium.

Anlass war eine Präsentation seines "Plan Zukunft" im April 2026. Für den Termin wurde eine Visagistin engagiert, die insgesamt vier Personen schminkte. Die Kosten von 420 Euro wurden aus öffentlichen Mitteln bestritten.

Auch bei einer früheren Pressekonferenz zum Thema Handyverbot an Schulen kam eine Visagistin für Wiederkehr zum Einsatz. Die Kosten solcher Dienstleistungen beschäftigen inzwischen auch das österreichische Parlament.

Der Vorgang ist Teil einer größeren Diskussion über Ausgaben für das äußere Erscheinungsbild von Regierungsmitgliedern. Neben Wiederkehr wurden auch andere Politiker zu möglichen Kosten für Friseure, Visagisten und Stilberater befragt.

420 Euro sind im Staatshaushalt keine große Summe. Für viele Steuerzahler dürfte allerdings eine andere Frage entscheidend sein:

Warum muss der Staat für das Make-up eines Ministers aufkommen?

Auch Außenministerin Beate Meinl-Reisinger lieferte bereits ein Bild dafür, wie weit sich die politische Welt von der Lebensrealität vieler Österreicher entfernt hat.

Bei der Eröffnung des Grand Egyptian Museum in Kairo erschien sie im November 2025 in einem auffälligen goldenen Kleid und präsentierte die Bilder anschließend auf X. Für viele Bürger wirkte der Auftritt weniger wie nüchterne Diplomatie als wie politische Selbstinszenierung.

Das passt schlecht zu einem Land, in dem die Regierung gleichzeitig von Einsparungen, Reformen und einem angespannten Budget spricht. Die Bürger sollen höhere Kosten tragen und den Gürtel enger schnallen. In den oberen Etagen des Staates scheint dagegen ein anderer Maßstab zu gelten.

Da sind 420 Euro für eine Visagistin. Dort sind glamouröse Auftritte im Ausland. Dazu kommen teure Dienstreisen und eine politische Klasse, die ihren eigenen Lebensstil offenbar zunehmend von dem Alltag abkoppelt, den sie den Bürgern zumutet.

Natürlich werden 420 Euro kein österreichisches Budget ruinieren. Genau deshalb geht es um etwas anderes. Es geht um Haltung. Wer von den Menschen Sparsamkeit verlangt, sollte nicht den Eindruck erwecken, selbst in einer politischen Blase zu leben, in der Make-up auf Staatskosten und glamouröse Auftritte als selbstverständlich gelten.

Für Haushalte, die bei Miete, Strom und Lebensmitteln jeden Euro umdrehen müssen, wirken solche Bilder wie ein Schlag ins Gesicht. Sie stehen nicht für Sparsamkeit, sondern für Distanz zur Lebensrealität vieler Bürger.

Wer von der Bevölkerung Opfer und Einsparungen verlangt, muss sich auch selbst nach diesen Maßstäben richten. Wenn öffentliche Mittel für Styling und repräsentative Auftritte ausgegeben werden, während gleichzeitig über Belastungen und Sparmaßnahmen gesprochen wird, entsteht ein Bild politischer Abgehobenheit.

So wird aus einer Ausgabe von 420 Euro ein Symbol für ein viel größeres Problem. Es geht um den Eindruck, dass sich die politische Klasse zunehmend von jenem Alltag entfernt, den sie mit ihren Entscheidungen direkt beeinflusst.

Mehr zum Thema – Meinl-Reisinger klagt gegen FPÖ wegen "Ukraine-Geldkoffer"