Europa

Logistikmängel: Schweizer Armee nicht auf Krieg vorbereitet

Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle offenbart erhebliche Schwächen der Schweizer Armee. Fehlende logistische Kapazitäten, Versorgungsprobleme und die starke Abhängigkeit von ausländischen Waffen könnten die Einsatzfähigkeit im Krisenfall gefährden.
Logistikmängel: Schweizer Armee nicht auf Krieg vorbereitet© Urheberrechtlich geschützt

Die Schweizer Armee ist wegen erheblicher Logistikmängel nicht ausreichend auf mögliche militärische Konflikte vorbereitet. Zudem sind die Streitkräfte bei Waffen und Ausrüstung nahezu vollständig von Importen abhängig. Dies geht aus einem Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle hervor.

Die Behörde warnt darin vor Schwachstellen in der Versorgung. Im Falle eines Konflikts könnten Unterbrechungen bei der Lieferung von Munition, Treibstoff oder Ersatzteilen "den Ablauf militärischer Operationen schnell gefährden".

Als weiteres Problem nennt der Bericht die mangelnde Abstimmung zwischen dem Verteidigungsministerium, dem Rüstungsunternehmen RUAG, das für die materielle Versorgung der Armee zuständig ist, sowie zivilen Strukturen. In dem Dokument heißt es:

"Im Falle einer schweren Krise würde eine fehlende Koordination zwischen dem Verteidigungsministerium, Armasuisse, RUAG und den zivilen Strukturen das gesamte System schwächen. Ohne die Einbindung dieser Partner könnte die Versorgung im Konfliktfall beeinträchtigt werden."

Milliardenbedarf für Logistikmodernisierung

Nach Einschätzung der Eidgenössischen Finanzkontrolle müssen die logistischen Lieferketten dringend gestärkt werden. Die Kosten für ein entsprechendes Modernisierungsprojekt werden auf bis zu zehn Milliarden Schweizer Franken (rund 10,7 Milliarden Euro) geschätzt. Diese Mittel sind im Budget des Verteidigungsministeriums jedoch nicht vorgesehen.

Der Bericht hebt zudem hervor, dass die Schweizer Armee bei ihrer Ausrüstung stark vom Ausland abhängig ist. Demnach werden mehr als 90 Prozent der Waffen und militärischen Systeme importiert.

Probleme bei F-35 und Patriot

Auch die Beschaffung neuer Waffensysteme bereitet der Schweiz Schwierigkeiten. Wie die Zeitung Tribune de Genève berichtet, ist die Zuverlässigkeit der Luftverteidigung des Landes durch die verzögerte Lieferung von F-35-Kampfjets und Patriot-Luftabwehrsystemen gefährdet. Weiter heißt es in dem Artikel:

"Die Truppen werden nicht immer mit der notwendigen Ausrüstung versorgt. Es ist nun deutlich geworden, dass der Zustand der Armeelogistik noch immer sehr zu wünschen übrig lässt."

Die Schweiz hatte 2022 einen Vertrag über den Kauf von Patriot-Luftabwehrsystemen abgeschlossen. Die Auslieferung sollte 2027 beginnen. Im Juli 2025 informierten die USA Bern jedoch über Verzögerungen, da die Lieferungen an die Ukraine beschleunigt werden sollten.

Auch beim Kauf von F-35A-Kampfjets kam es zu Problemen. Die Schweiz hatte 36 Maschinen im Wert von rund 6,25 Milliarden US-Dollar bestellt. Die Auslieferung war für den Zeitraum von 2027 bis 2030 geplant. Später teilte der Schweizer Rüstungschef Urs Loher mit, dass die USA Bern über zusätzliche Kosten von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar informiert hätten.

Kritik an Sicherheitspolitik

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat das Verteidigungsministerium aufgefordert, die Entwicklung der militärischen Fähigkeiten besser mit der Planung der Streitkräfte abzustimmen. Darüber hinaus müsse die Zusammenarbeit mit der zivilen Logistik und den Lieferketten gestärkt werden. Die Sicherheitsstrategie müsse "kohärenter gestaltet" werden.

Unterdessen erklärte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko, die Schweizer Neutralität gehöre der Vergangenheit an. Die Schweiz sei inzwischen eng in militärische Vorbereitungen der NATO und der EU eingebunden.

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, die Streitkräfte europäischer Verbündeter seien "sehr schwach". Zudem wurde Irland aufgefordert, wegen der angeblichen Bedrohung durch Russland seine militärische Neutralität aufzugeben.

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