
Bremer Polizei rät Frauen, sich bei Vergewaltigungsversuch zu übergeben

Die Polizei Bremen nennt eine ungewöhnliche Methode zur Abwehr sexueller Übergriffe. Frauen könnten in einer akuten Notsituation absichtlich Erbrechen auslösen, um einen Angreifer abzuschrecken. Ein ähnlicher Ratschlag sorgte bereits 2013 in den USA für Kritik.
Franka Haedke, Sprecherin des Präsidialstabs der Bremer Polizei, bestätigte der Kreiszeitung, dass dieser Hinweis in Selbstbehauptungsseminaren vorkommt.
"Wehren Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Auch das Sich-Erbrechen kann eine wirksame Möglichkeit sein, ein Sexualdelikt abzuwehren."
Die Kurse werden seit mehr als zehn Jahren von der Zentralen Polizeilichen Prävention angeboten. Sie richten sich an Beschäftigte von Unternehmen, Behörden und medizinischen Einrichtungen. Auch Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs, der Feuerwehr, von Jobcentern und sozialen Diensten können teilnehmen.

In den Seminaren geht es darum, Gefahren frühzeitig zu erkennen, Konflikte zu entschärfen und sich in bedrohlichen Situationen zu behaupten. Die Teilnehmer können eigene Erlebnisse schildern und gemeinsam mit den Kursleitern mögliche Reaktionen besprechen.
Gemeint ist, den Würgereflex mit dem Finger auszulösen. Der Angreifer könnte durch die unerwartete Reaktion abgeschreckt werden. Eine Gelegenheit zur Flucht wäre damit möglicherweise gewonnen. Ob diese Methode tatsächlich zuverlässig wirkt, ist nicht belegt. Die Polizei nennt sie als eine Möglichkeit unter mehreren, nicht als allgemeine Empfehlung für Frauen.
Zu den weiteren Ratschlägen gehört, auf das eigene Bauchgefühl zu achten, unangemessenes Verhalten klar anzusprechen, laut um Hilfe zu rufen und Hilfsmittel wie Trillerpfeifen oder Taschenalarme einzusetzen. Auch Umstehende sollten möglichst direkt angesprochen werden. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, sollten Betroffene fliehen und die Polizei alarmieren.
Ein ähnlicher Ratschlag sorgte in den USA für Kritik
Dass Erbrechen oder Urinieren als mögliche Abwehrreaktion bei einem sexuellen Übergriff genannt werden, ist nicht neu. CNN berichtete über eine Kontroverse an der University of Colorado. Die Universität hatte eine Liste mit zehn möglichen Auswegen für Frauen veröffentlicht, die mit einem sexuellen Angriff konfrontiert sind.
Darin wurde unter anderem vorgeschlagen, sich absichtlich einzunässen, um den Angreifer zum Rückzug zu bewegen. Weitere Vorschläge lauteten, dem Angreifer eine Krankheit vorzutäuschen oder auf die Menstruation hinzuweisen.
Laut CNN stammte das Material aus dem Jahr 2006 und war als ergänzende Information für Frauen gedacht, die bereits einen Selbstverteidigungskurs absolviert hatten. Nach öffentlicher Kritik nahm die Universität die Liste von ihrer Webseite und veröffentlichte eine Erklärung sowie eine Entschuldigung.
Der Vergleich mit Bremen zeigt, dass solche ungewöhnlichen Abwehrmethoden schon früher in Präventionskursen thematisiert wurden. Die Fälle sind jedoch nicht gleichzusetzen. In Bremen geht es um eine Aussage zu Erbrechen in polizeilichen Selbstbehauptungsseminaren. In Colorado stand eine Liste mit mehreren möglichen Reaktionen im Mittelpunkt, darunter auch das absichtliche Urinieren.
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