Wirtschaft

Krisen- und Insolvenzticker – Ifo: Deutsche Industrie fällt im globalen Wettbewerb stark zurück

Die deutsche Wirtschaft kriselt. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind seit 2022 tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
Krisen- und Insolvenzticker – Ifo: Deutsche Industrie fällt im globalen Wettbewerb stark zurück
  • 22.05.2024 13:15 Uhr

    13:15 Uhr

    Ifo-Umfrage: Deutsche Industrie fällt im globalen Wettbewerb stark zurück

    Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in der EU und auf dem Weltmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren dramatisch verschlechtert. Das geht aus den Ergebnissen der monatlichen Umfrage des Ifo-Instituts hervor.

    Demnach haben die Unternehmen in der EU seit dem dritten Quartal 2022 einen Rückgang ihrer Konkurrenzfähigkeit zu verzeichnen. Im ersten Quartal diesen Jahres beklagen fast alle Branchen der deutschen Industrie eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf sieht "bereits eine beginnende De-Industrialisierung".

  • 21.05.2024 07:07 Uhr

    07:07 Uhr

    Gesamtmetall-Präsident beklagt "beginnende De-Industrialisierung"

    Stefan Wolf, Präsident des Unternehmerverbands Gesamtmetall hat angesichts von Standortnachteilen und Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft vor gewaltigen Verwerfungen gewarnt. Den Zeitungen der SPD-nahen Funke-Mediengruppe sagte Wolf:

    "Ich sehe bereits eine beginnende De-Industrialisierung. Es finden viele Verlagerungen statt – überall hin."

    Besonders betroffen seien derzeit Unternehmen aus der Automobil- und Zulieferindustrie. Der Gesamtmetallchef weiter:

    "Viele Firmen sind sehr zurückhaltend. Es wird viel weniger investiert. Wegen der schlechten Rahmenbedingungen hier in Deutschland fließt stattdessen derzeit sehr viel Geld ins Ausland. Uns sind damit über 300 Milliarden Euro an Investitionen verloren gegangen."

    Das Ausbleiben von Investitionen gehe auch zu Lasten der Produktivität und führe damit zu einer weiter verschlechterten Wettbewerbsfähigkeit. Es gebe auch erste Anzeichen für größere Entlassungen:

    "Größere Automobilzulieferer haben doch bereits Entlassungen angekündigt. Und ich befürchte, dass das eine richtige Dynamik entwickelt. Wenn sich nicht schnell etwas ändert, werden wir einen Abbau von Arbeitsplätzen, gerade bei den eher einfachen Tätigkeiten wie etwa in der Produktion, sehen."

  • 17.05.2024 09:16 Uhr

    09:16 Uhr

    Zahl der Baugenehmigungen sinkt weiter

    Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist weiter gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, wurden im März 2024 der Bau von 18.500 Wohnungen genehmigt. Das waren 24,6 Prozent oder 6.000 Baugenehmigungen weniger als im März 2023.

    Im Vergleich zum März 2022 sank die Zahl der Baugenehmigungen sogar um 46,9 Prozent (oder 16.300 Wohnungen). Im ersten Quartal 2024 wurden  insgesamt 53.500 Wohnungen genehmigt. Das waren 22,2 Prozent (15.200 Wohnungen) weniger als im Vorjahresquartal. In diesen Zahlen sind sowohl Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

  • 15.05.2024 13:47 Uhr

    13:47 Uhr

    Nächster Modekonzern insolvent

    Es erwischte schon Gerry Weber, Görtz, Hallhuber, Reno oder Sport Scheck. Jetzt hat auch die Modemarke Esprit Insolvenz angemeldet. Die 1.500 Mitarbeiter der Esprit Europe GmbH und sechs weiterer Tochtergesellschaften müssen nun darauf hoffen, dass im Insolvenzverfahren eine Möglichkeit gefunden wird, die Firma fortzuführen.

    Das Unternehmen, das ursprünglich 1968 in San Francisco gegründet wurde, hat seit 1976 eine deutsche Tochtergesellschaft, die seit 2003 in Ratingen angesiedelt war. Seit 1986 betreibt die Modefirma auch eigene Einzelhandelsgeschäfte. Bereits 2020 hatte Esprit ein Insolvenzverfahren eingeleitet, und mindestens 1.200 Mitarbeiter in Deutschland entlassen. Tochterunternehmen in der Schweiz und in Belgien haben schon im vergangenen Monat Insolvenz angemeldet.

    Deutschland war bisher der Markt mit dem größten Umsatz. Die Entwicklung des Konzerns stellt sich dar wie eine langsame Implosion – der US-Markt wurde bereits 2013 aufgegeben, 2018 folgten Neuseeland und Australien. Von dem Insolvenzverfahren in Deutschland sind 57 der derzeit noch 124 Filialen in Europa betroffen. Hergestellt wird die dort verkaufte Ware, wie in der Modebranche nicht unüblich, vor allem in China und Bangladesch.

  • 11.05.2024 08:01 Uhr

    08:01 Uhr

    "Zweifel an der Zuverlässigkeit der Netze": 70 Prozent der Unternehmen leiden unter Stromausfällen

    70 Prozent der Unternehmen litten im vergangenen Jahr unter Stromausfällen, die auch zu Produktionsausfällen und Maschinenschäden geführt haben. Das ist das Ergebnis einer stichprobenartigen Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) unter 1.000 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen, über die das Springerblatt Welt am Sonntag berichtet.

    Demnach erklärten 28 Prozent der antwortenden Unternehmen, von Stromausfällen von einer Dauer von über drei Minuten betroffen gewesen zu sein. 42 Prozent berichteten von Stromausfällen von unter drei Minuten.

    Kürzere Stromausfälle von bis zu drei Minuten werden von der Bundesnetzagentur nicht erfasst, können allerdings zu Schäden an Maschinen führen. Im Ergebnis der Umfrage heißt es:

    "Die Probleme erstrecken sich über alle Spannungsebenen und führen zwangsläufig zu wirtschaftlichen Schäden."

    Für etwa ein Drittel (32 Prozent) der Unternehmen verursachten die Stromausfälle zusätzliche Kosten von bis zu 10.000 Euro, für 15 Prozent lagen die Kosten zwischen 10.000 und 100.000 Euro, zwei Prozent der Firmen beklagten sogar Kosten von über 100.000 Euro.

    Als Reaktion auf die Probleme bei der Stromversorgung richteten 2023 sieben Prozent der Unternehmen Notstromaggregate zur Abdeckung von Spitzenlasten ein, elf Prozent Energiespeicher.

    Die Ursache für die Stromausfälle bleibt laut Umfrage meist ungeklärt. Zwei Drittel der Unternehmen erfuhren den Grund für die Ausfälle nicht. Dazu erklärte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks:

    "Solange Unternehmen die Ursachen für den Großteil der Stromausfälle nicht kennen, werden Zweifel an der Zuverlässigkeit der Netze wachsen."

  • 10.05.2024 07:55 Uhr

    07:55 Uhr

    Wohnungsbauunternehmen beklagen Auftragsmangel

    Den Wohnungsbauunternehmen in Deutschland fehlen Aufträge. Wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag mitteilte, beklagten mehr als die Hälfte der Firmen dieser Branche (55,2 Prozent) im April einen akuten Auftragsmangel. Im März lag der Wert mit 56,2 Prozent noch höher. Klaus Wohlrabe, der Leiter für Befragungen im Ifo-Institut, sagte dazu:

    "Die Wohnungsbauer suchen nach Hoffnungssignalen. Ein Ende der Krise ist jedoch nicht in Sicht."

    Ein großes Problem blieben auch die zahlreichen Stornierungen. Im April meldeten 17,6 Prozent der Betriebe stornierte Projekte, nach 19,6 Prozent im März. Das Geschäftsklima im Wohnungsbau sei zwar deutlich angestiegen, bleibe aber weiterhin tief im negativen Bereich. Die Erwartungen seien weit von Optimismus entfernt, wie Wohlrabe erklärte:

    "Aufgrund fehlender Aufträge reduzieren viele Unternehmen ihre Preise."

    Weniger dramatisch stelle sich die Lage im Tiefbau dar. Dort berichteten 22 Prozent der Unternehmen von einem Auftragsmangel. Die Firmen seien dort auch wesentlich zufriedener mit den laufenden Geschäften, stellte der Ifo-Experte Wohlrabe fest:

    "Der Ausblick auf die kommenden Monate ist im Tiefbau von Skepsis geprägt, aber nicht so stark wie im Hochbau."

  • 7.05.2024 21:04 Uhr

    21:04 Uhr

    Zahl der Firmenpleiten klettert auf neuen Rekordwert

    Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik bleibt weiterhin düster: Einer Studie zufolge ist die Zahl der Firmenpleiten im April den dritten Monat in Folge auf einen Höchstwert ge­stiegen. Laut Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden demnach 1367 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet.

    Damit sei der bisherige Rekordwert von März um fünf Prozent übertroffen worden. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ist dabei "außergewöhn­lich hoch", heißt es weiter. Der aktuelle Wert liegt demnach 47 Prozent höher als im April 2023 und 40 Prozent über dem April-Durchschnitt von 2016 bis 2019, also vor der Corona-Krise.

    "In zahl­reichen Branchen wurden Höchststände erreicht, darunter insbesondere im Bausektor, im Handel, im Dienstleistungsbereich, aber auch in kleineren Branchen wie Information und Kommunikation."

    Der Studie zufolge waren allein bei den zehn Prozent der größten Unternehmen, deren Insolvenzen im April gemeldet wurden, etwa 34.000 Arbeits­plätze betroffen. Dies ist "dreimal so viel wie im Vormonat, doppelt so hoch wie im Vorjahresmonat und liegt bei 360 Prozent eines durchschnittlichen Aprils vor der Corona-Pandemie". Seit Beginn der Erhebung 2016 lag die Zahl der betroffenen Jobs nur im Juli 2020 höher.

    Als Grund für die hohe Zahl der betroffenen Anstellungen wurde die abermalige Insolvenz von Galeria Karstadt Kaufhof angeführt. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass die Kaufhaus-Gruppe von neuen Investoren weiterge­führt werden soll.

    Das IWH erhebt auch Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um etwa zwei bis drei Monate vorlaufen. "Im April lagen die Werte so niedrig wie seit sechs Monaten nicht mehr", sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Abteilung Strukturwandel und Produktivität. Zumindest die Frühindikatoren deuten nun Richtung Entspannung, die Insolvenzzahlen könnten "ab Mai, spätestens jedoch ab Juni wieder sinken".

  • 6.05.2024 14:48 Uhr

    14:48 Uhr

    Autozulieferer IHI Charging Systems will Standort in Thüringen schließen

    Der japanische Autozulieferer IHI Charging Systems International (ICSI) hat bereits vor zwei Wochen bekanntgegeben, seinen Standort Ichtershausen am Erfurter Kreuz schließen zu wollen. Das bestätigte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Demnach wurden die 300 Mitarbeiter darüber informiert, dass sie in den kommenden 12 bis 15 Monaten ihre Arbeit verlieren werden.

    IHI stellt in erster Linie Turbolader her – ein Bauteil für Verbrennungsmotoren. Aufgrund der sogenannten Verkehrswende werden derartige Bauteile künftig sehr viel weniger nachgefragt werden. Erst im Jahr 2019 hatte das Unternehmen seinen deutschen Standort von Heidelberg in Baden-Württemberg nach Ichtershausen verlegt.

  • 30.04.2024 21:08 Uhr

    21:08 Uhr

    Vogtländischer Textilhersteller ist insolvent

    Das Textilunternehmen C.H. Müller im Vogtland hat einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Die wirtschaftliche Krise des Unternehmens ist beispielhaft für die derzeitige Lage zahlreicher anderer Automobilzulieferer. Als Grund führte der Insolvenzverwalter die in den vergangenen Jahren zurückgegangene Nachfrage an. Das Unternehmen konnte dennoch neue Kunden gewinnen.

    "Hinzu kamen jedoch die stark gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Vormaterial, was unsere Liquidität in Summe maßgeblich negativ beeinflusst hat", sagt der Geschäftsführer von C.H. Müller.

    Zusätzlich sei auch die Unterstützung durch einige der langjährig verbundenen Kreditinstitute zurückgefahren worden, was die Situation weiter verschärft habe. Wie der zuständige Insolvenzverwalter am Montag mitteilte, sollen die Löhne und Gehälter der rund 280 Beschäftigten bis Ende Juni erst einmal über das Insolvenzausfallgeld gesichert sein. Ab Juli will das Unternehmen die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter wieder aus dem laufenden Geschäftsbetrieb erwirtschaften.

    Die C.H. Müller GmbH wurde 1868 als Baumwoll-Weberei gegründet. Mittlerweile stellt das Unternehmen hochwertige Verbundmaterialien aus Textil, Echt- und Kunstleder her. Die Produkte kommen in zahlreichen Autos, Schienenfahrzeugen und Flugzeugen zum Einsatz, beispielsweise als Innenverkleidungen und für Sitze in Pkws und ICEs sowie in Bezügen für Kindersitze. Anwendung finden die Produkte des Unternehmens auch bei sterilen Produkten für medizinische Zwecke und Hygiene.

  • 18:30 Uhr

    Massiver Stellenabbau bei SAP: Auch in Deutschland fallen 2.600 Arbeitsplätze weg

    Angesichts der allgemeinen Wirtschaftskrise wurde dem SAP-Konzern ein sogenanntes "Restrukturierungsprogramm" verordnet, infolgedessen sollen weltweit rund 8.000 Stellen gestrichen werden. Derzeit beschäftigt der Software-Riese international noch rund 107.000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es immerhin 25.300, wie die Deutschen WirtschaftsNachrichten (DWN) melden.

    Damit der Stellenabbau in Deutschland möglichst reibungslos und schnell vonstattengehen kann, haben sich die Konzernleitung und der Betriebsrat auf eine Abfindungsregelung geeinigt. Laut DWN habe der Interims-Personalchef von SAP in Deutschland Wolfgang Fassnacht zwar keine Details bekannt gegeben, jedoch auf "attraktive frühere Abfindungsregelungen" verwiesen, "die auch jetzt wieder Anreize setzen" sollten. Die Regelungen sollen für Mitarbeiter gelten, die in einen vorzeitigen Ruhestand gehen wollen oder das Unternehmen verlassen sollen.

    Die Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand sollen bereits für Mitarbeiter ab 55 Jahren gelten. Dabei werde nach dem Prinzip der "doppelten Freiwilligkeit" verfahren, was bedeutet, dass sowohl das Unternehmen als auch der betroffene Beschäftigte "freiwillig" zustimmen müssen.

    Bernhard Schick hatte als Betriebsratsvorsitzender von SAP Deutschland kürzlich mitgeteilt, dass viele ältere Mitarbeiter mit gewisser Freude der großzügigen Abfindungsregelung und ihrem Ruhestand entgegensehen würden. Er gehe davon aus, dass rund 2.000 Kollegen das Angebot des Konzerns annehmen würden. SAP würde mit seiner Abfindungsregelung weit über dem üblichen Durchschnitt in Deutschland liegen. Laut Handelsblatt betrage die Abfindung 33,5 Monatsgehälter bei einer Betriebszugehörigkeit von 20 Jahren.

    Alternativ soll SAP den Berichten zufolge auch (Alters-)Teilzeitregelungen anbieten, um den schrittweisen Ausstieg aus dem Beruf oder einen beruflichen Umstieg zu erleichtern. Vom Stellenabbau werden besonders Stellen in der Verwaltung, aber auch im Kundendienst ("Support") betroffen sein. In diesen Bereichen sollen auch Niederlassungen geschlossen und Stellen an andere Standorte verlagert werden.

    Mit der Restrukturierung hat es SAP offenbar eilig, auch wenn die Kosten dafür extrem hoch sind. Im ersten Quartal 2024 will der Konzern 2,2 Milliarden Euro für den Konzernumbau ausgegeben haben, – wodurch es zu einem Verlust von 824 Millionen Euro gekommen und der Konzern in die roten Zahlen gerutscht sei.

    Ziel des Unternehmensumbaus sei generell eine Verschlankung des Konzerns mit dem Ziel, sich wieder mehr auf das traditionelle Kerngeschäft mit Software für die Unternehmenssteuerung zu konzentrieren. Bis Ende 2025 wolle der Konzern fast eine Milliarde Euro in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz investieren, wie der Vorstandsvorsitzende Christian Klein mitgeteilt habe.

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