Europa

Ukrainischer Kriegsgefangener: "Nach 35 Minuten an der Front war alles vorbei"

Der ukrainische Soldat Alexander Mussijtschuk berichtet, er habe nur rund 35 Minuten an der Front verbracht, bevor er in Gefangenschaft geraten sei. Weitere Gefangene schildern chaotische Gefechte sowie Versorgungsprobleme in ihren Einheiten.
Ukrainischer Kriegsgefangener: "Nach 35 Minuten an der Front war alles vorbei"© Urheberrechtlich geschützt

Insgesamt habe er nur 35 Minuten an der Front verbracht, bevor er in russische Gefangenschaft geraten ist, erklärte der ukrainische Soldat Alexander Mussijtschuk. Er berichtete dies in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur TASS. Demnach wurde er im Jahr 2024 zwangsweise mobilisiert und der 82. Separaten Luftsturmbrigade der ukrainischen Streitkräfte zugeteilt. Mussijtschuk schilderte seinen Einsatz in zwei kurzen Abschnitten:

"Ich habe buchstäblich nur etwa 30 Minuten in einem Einsatz verbracht, und da haben sie gegen mich gekämpft. Ich habe nicht gekämpft. Und im nächsten Einsatz waren es etwa fünf Minuten – und das war’s."

Nach seinen Angaben verlor seine Einheit im Einsatzgebiet mehrfach die Orientierung. Während eines Vorstoßes im Raum Kursk sei die Gruppe unter Beschuss geraten.

"Sofort wurde Feuer auf uns eröffnet. Wir verteilten uns. Ich rief nach den Jungs, aber sie antworteten nicht. Dann rannte ich ein Stück weg und sah, dass sie dalagen und sich nicht bewegten. Als man begann, mich unter Beschuss zu nehmen, drehte ich mich um und rannte über das Feld."

Er sei am Ende auf eine russische Stellung gestoßen und dort in Gefangenschaft geraten.

Neben Berichten über kurze Fronteinsätze schildern Gefangene auch gravierende Versorgungsprobleme in ihren Einheiten. So berichtete der Soldat Alexander Kutschinski von einer eingeschlossenen Gruppe, die unter akutem Mangel an Nahrung und Wasser litt. Zwei Wochen lang habe es keine reguläre Verpflegung gegeben.

"Die letzten zwei Wochen haben wir überhaupt nichts gegessen außer Mischfutter."

Nach seinen Angaben habe sich die Einheit zeitweise von Tierfutter ernährt und Wasser aus einer Schicht Glaswolle unter einem Hangardach gewonnen. Die Lage sei "sehr schlecht" gewesen. "Niemand, der bei mir war, wollte kämpfen." Kutschinski erklärte zudem, er sei zuvor zwangsweise mobilisiert worden und habe nur eine 52-tägige Ausbildung erhalten, bevor er an die Front geschickt worden sei.

Auch andere Gefangene berichten von ähnlichen Problemen. So hatte beispielsweise der Soldat Wladimir Linnik von der 79. Luftsturmbrigade über erhebliche Engpässe bei Wasser und Lebensmitteln erzählt. Seinen Angaben zufolge wurden Versorgungspakete nur etwa alle vier bis fünf Tage per Drohne abgeworfen. Diese hätten lediglich einige Flaschen Wasser und wenige Dosen Fleischkonserven enthalten.

Linnik erklärte zudem, dass das Wasser oft unbrauchbar gewesen sei. "Da es kein Wasser gab, haben wir Urin getrunken". Zuvor hatte die Werchowna Rada bereits zugegeben, dass ukrainische Soldaten an der Front hungern. In der Gesamtschau zeichnen die Aussagen ein Bild von hoher Belastung und teils chaotischen Einsatzbedingungen. Mehrere Soldaten gaben an, sich letztlich aufgrund der Situation in Gefangenschaft begeben zu haben. 

Ein weiterer Gefangener, Wladimir Kotik vom 425. Separaten Sturmregiment "Skala", erklärte, dass die Moral stark gesunken sei: "Im Fernsehen sagen sie, dass alles gut ist, dass wir vorrücken und siegen." In der Realität habe er davon jedoch nichts gesehen. Es gebe keine Urlaube, keine Krankenhäuser, "nichts", sagte er in einem Video, das der Nachrichtenagentur TASS vorliegt:

"Die Menschen gehen aus, da es zu wenig Personal gibt. Die Menschen sind ausgebrannt, die Menschen sind müde. Über den Sieg denkt und spricht niemand mehr."

Zudem warf Kotik dem Kommando vor, die eigenen Kräfte "wie Fleisch" zu behandeln. Die Soldaten wüssten nie, ob sie lebend zurückkehren würden. "Das Einzige, was mir Glück gebracht hat, ist, dass ich in Gefangenschaft geraten bin", betonte er.

Bereits zuvor hatte der gefangene Soldat Pawel Gejko von einem extrem kurzen Fronteinsatz berichtet. In einem Interview mit der Komsomolskaja Prawda erklärte er, dass sein Einsatz nur rund 20 Minuten gedauert habe.

"Nach 20 Minuten wurden wir von Drohnen zerschlagen. Und weitere 20 Minuten später kamen sie [die Russen], stürmten uns und nahmen uns gefangen. Wir haben uns ergeben, weil wir leben wollen."

Er kritisierte zudem die Ausbildung und Führung der ukrainischen Streitkräfte und sprach von faktisch aussichtslosen Vorstößen. Auch warf er dem Kommando vor, unnötige Verluste zu verursachen und die Soldaten sich selbst zu überlassen. Er forderte die Behörden in Kiew auf, den Konflikt zu beenden und die Soldaten zu ihren Familien zurückkehren zu lassen.

Mehr zum Thema Sicherheitszone: Russische Streitkräfte erzielen Erfolge an der Front

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.